Professor Dr. Wilhelm Hankel – der Vater der Bundesschatzbriefe, verstorben!

Professor Dr. Wilhelm Hankel – der Vater der Bundesschatzbriefe, verstorben!
19 Jan 2014

von N. von Gibelli –

Professor Dr. Wilhelm Hankel (links im Bild) - Slobodan Cvetkovic (rechts im Bild)  (Schloss Fuschl 2012)

Professor Dr. Wilhelm Hankel (links im Bild) – Slobodan Cvetkovic (rechts im Bild) (Schloss Fuschl 2012)

Köln – Es muss nicht immer alles Sinn machen. Oft reicht es schon wenn man es erlebt hat  – das sagte einst Prof. Wilhelm Hankel zu mir!

Es gibt Menschen, die laut polternd auf sich aufmerksam machen. Und es gibt feinfühlige und tiefsinnige Menschen, welche durch Intelligenz und beständiges Nachdenken Beachtung finden. Dazu zählt Professor Dr. Wilhelm Hankel.

Der als Euro-Skeptiker Professor Dr. Wilhelm Hankel ist am vergangenen Mittwoch verstorben, wenige Tage nach seinem 85. Geburtstags.

Professor Dr. Wilhelm Hankel gehörte zu einer Gruppe von deutschen Professoren, die 1988 vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe gegen den Euro geklagt hatten – bekanntlich vergeblich –  und zuletzt gegen die Rettungspakete vor Gericht zog.

Professor Dr. Wilhelm Hankel war einer der Entwickler der Bundesschatzbriefe und Mitbegründer des Terminhandels an der Frankfurter Börse. Er war Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Schiller.

Professor Dr. Wilhelm Hankel hatte 2012 anlässlich eines Hearings zum ESM davor gewarnt, dass sich Europa Richtung einer zweiten Sowjetunion entwickle. Das Ideal des stabilen Geldes sei mit einer Währungsunion nicht möglich, weil die wirtschaftlichen Verhältnisse in den einzelnen Staaten nicht mit einem Befehl über einen Leisten geschlagen werden könnten. Der Euro sei eine “verlorene Währung”, sagte Professor Dr. Hankel – vor allem im Hinblick auf die Abwertungspraxis der europäischen Südstaaten, die diesen Ländern bisher die Möglichkeit eines ausreichenden volkswirtschaftlichen Spielraums gewährt hätten.

Genau das ist es, was den Wirtschaftsfachmann, Banker, Universitätslehrer und Währungsexperten immer wieder so wütend machte: Die Dreistigkeit, mit welcher die Politik heute wie selbstverständlich die Bürger da draußen um ihre Ersparnisse bringen will. Hankel, seit Jahrzehnten ein SPD-Mann, beschränkte seine Kritik keineswegs nur auf eine oder einige Parteien. Er sah durchweg in allen Bundestagsabgeordneten Menschen, die alles, aber ganz sicher nicht mehr Vertreter des Volkes sind. Besonders fiel ihm das auf dem Gebiet der Währungspolitik auf: Der Euro, so Hankel, war von der ersten Stunde an fatal für Deutschland. Und so wurde Hankel einer der ersten Euro-Kritiker und die Gallionsfigur der Euro-kritischen Bewegung.

In seinem gemütlichen Wohnhaus in Königswinter bei Bonn arbeite er bis zuletzt in seiner Bibliothek und schockierte Besucher mit der Botschaft, dass Ersparnisse in Lebensversicherungen in Deutschland nicht mehr sicher seien. Unser ganzen Mitgefühl und Beileid übermitteln wir auf diesem Wege an seine Frau, die ihn bis zum Schluss begleitet hat.

share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *