Nach der Prokon-Insolvenz: Anleger in der Falle ?

Nach der Prokon-Insolvenz: Anleger in der Falle ?
23 Jan 2014

von N. von Gibelli –

Logo der Firma Prokon (Quelle: www.prokon.net)

Logo der Firma Prokon (Quelle: www.prokon.net)

Itzehoe – Wie geht es weiter mit dem angeschlagenen Windanlagen-Finanzierer Prokon?

Das Unternehmen aus Itzehoe (Kreis Steinburg) hatte gestern beim Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin informierte am Nachmittag über die aktuelle Situation. Er rechne mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens frühestens in zwei bis drei Monaten, sagte Penzlin. Erst dann könnten die rund 75.000 Anleger Forderungen an Prokon stellen. Prokon hat von den Anlegern insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten eingesammelt.

Prokon hatte am 10. Januar auf seiner Homepage seine 75.000 Anleger aufgerufen, ihr Geld vorerst nicht aus der Firma zu ziehen und Kapitalkündigungen zurückzunehmen. Anderenfalls drohe eine Insolvenz. Kürzlich hatte das Unternehmen mitgeteilt, 227 Millionen Euro von 1,4 Milliarden Euro an Genusskapital seien gekündigt worden. Um eine Insolvenz zu verhindern, hätten laut Prokon 95 Prozent des Kapitals vorerst in der Firma bleiben müssen.

Das Unternehmen selbst übt sich in Optimismus: „Der Insolvenzantrag bedeutet keineswegs das Aus“, hieß es. Man fühle sich bestärkt, weiterhin für den langfristigen Fortbestand der Unternehmensgruppe zu kämpfen.

Die Katastrophe von Tschernobyl war der Auslöser für PROKON-Geschäftsführer Carsten Rodbertus, im Bereich Windenergie, eine der effizientesten Formen der regenerativen Energien, tätig zu werden. Die Firma Prokon, die auch in Bioenergie investiert, hatte seine Genussrechte jahrelang mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent beworben – und bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt.

Der Insolvenzantrag der Windkraftfirma Prokon schreckt die Regierung auf. Laut „Süddeutscher Zeitung“ will sie den Verkauf riskanter Finanzprodukte an Kleinanleger beschränken – oder ganz verbieten. Für die 75.000 Prokon-Investoren dürfte der Vorstoß zu spät kommen, in Zukunft aber könnten Kleinanleger besser geschützt werden. Die Bundesregierung erwägt offenbar, den Verkauf einzelner riskanter Finanzprodukte an Kleinanleger in Zukunft notfalls zu beschränken oder sogar zu verbieten. Die beteiligten Ministerien seien sich darüber einig, die Finanzaufsichtsbehörde BaFin mit einer entsprechenden Ermächtigung auszustatten, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Die seit längerem laufenden Vorarbeiten würden jetzt wegen des Falles Prokon intensiviert. Zudem solle die BaFin den Verbraucherschutz bei der Prüfung von Wertpapierverkaufsprospekten stärker ins Visier nehmen.

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