Kunst und Kino – James Bond und die Temeraire

"Das Kriegsschiff Téméraire" von J.M.W. Turner (1839).
17 Feb 2013
"Das Kriegsschiff Téméraire" von J.M.W. Turner (1839)."Das Kriegsschiff Téméraire" von J.M.W. Turner (1839).

„Das Kriegsschiff Téméraire“ von J.M.W. Turner (1839).

London – Mit dem neuesten James-Bond-Kinoereignis „Skyfall“ wollte Regisseur Sam Mendes womöglich von schauspielerischen Unzulänglichkeiten seiner Filmcrew mit einer brachialen Gewalt beeindruckender Bilder ablenken. Dabei schuf er in „Skyfall“ nicht nur wilde Verfolgungsjagden und Schattenkämpfe in der Skyline von Shanghai. Nein, Sam Mendes rückt auch ein so wichtiges Kunstwerk wie „The Fighting Téméraire“ von J. M. W. Turner aus dem Jahre 1839, wo ein jüngeres Dampfschiff ein altes Linienschiff zur Verschrottung schleppt, als vergleichendes Bildnis heran.

Im Kino wollten die Macher von „007“ sicher eine Parabel vom jungen und leicht nerdigen „Q“ zum in die Jahre gekommenen „James Bond“ schaffen. So unterschiedlich kann der MI6 sein! Das ist auch gelungen. Uns brachte die Szene in der Londoner National Gallery mit der Einspielung der „Téméraire“ von William Turner auf die Idee, Wirkung und Stil dieses Bildes in unserer Kunstserie zu analysieren.

Joseph Mallord William Turner wurde am 23. April 1775 in London geboren und verstarb am 19. Dezember 1851 in Chelsea, das später auch London eingegliedert wurde. Er gehört zu den größten englischen Künstlern und gilt als führender Vertreter der Romantik. Schon sein Gemälde „Gotthardpass“ von 1804 und „Stonehenge“ von 1825 waren echte „Meilensteine der romantischen Malerei“, äußert sich Kunstexperte und Fachjournalist Tom Rohrböck über seinen „Lieblingsmaler“. J. M. W. Turner schuf in einer damals atemberaubend raschen Arbeitsweise unverwechselbare Werke. Da er nicht nur im Studio, sondern auch in der freien Natur seine Gemälde auf die Leinwand auftrug, gilt William Turner als Vorläufer des Impressionismus, für den die „Pleinairmalerei“ (Freiluftmalerei) so typisch war. Als William Turner im damals greisen Alter von 76 Jahren verstarb, hinterließ er dem englischen Staat mehr als 20.000 Kunstwerke.

Den Namen „Téméraire“ hatte man historisch belegt mehreren Kriegsschiffen verliehen. Das erste Schiff, das auf „Téméraire“ getauft wurde, war ein französisches Linienschiff mit 74 Kanonen. Es wurde 1759 von der britischen Marine nach der Seeschlacht bei Lagos übernommen und 1784 wieder verkauft. Es trug damals noch nicht das Präfix „HMS“ für „His/Her Majesty Ship“, das erst mit dem Jahre 1789 eingeführt wurde. Die zweite „Téméraire“, ein Linienschiff mit 98 Kanonen, wurde 1798 auf Kiel gelegt. Es war maßgeblich an der Schlacht von Trafalgar (1805) beteiligt und ist eben jenes Schiff, das William Turner mit seinem Kunstwerk verewigte. Neben dem Motiv war für das Bild die besondere Kunstfertigkeit von William Turner entscheidend. Es ist belegt, dass J. M. W. Turner am 06. September 1838 mit dem Bildhauer W. F. Woodington als Passagier auf einem Dampfschiff von Margate (Grafschaft Kent im Südosten Englands) unterwegs war. Die beiden wurden Zeugen, als die „Téméraire“ zum Abwracken nach Rotherhithe geschleppt wurde. William Turner hat die Szene damals schon an Bord skizziert und später im Atelier fertig gemalt. Eigenartig für heutige Betrachter sind die imposanten Himmelsfarben des Bildes. Durch Vulkanstaub des im Jahre 1815 ausgebrochenen Tambora Vulkans (Indonesien) ergaben sich seinerzeit bei Sonnenauf- und -untergängen die im Bild dargestellten charakteristischen Himmelsfarben. William Turner brachte hier seine Kenntnisse der Aquarellmalerei auch in den Umgang mit Ölfarben ein. Um unterschiedliche Texturen wieder zu geben, setzt er in noch feuchte Stellen Lichter aus dickflüssigem Impasto.

„Eine ganz wesentliche Komponente bei fast allen lichtdurchfluteten Turner Werken ist die Sonne“, skizziert Tom Rohrböck gegenüber der Redaktion von Alpe-Nordsee.de. „Die Sonne gibt bei William Turner nicht nur das Licht, sondern sie gibt jedem Werk einen symbolischen Sinn.“ Auf jeden Fall war die Begegnung in der National Gallery des neuen „Q“ mit „James Bond“ für uns die schönste Szene von „Skyfall.

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Comments

  1. Der Frosch mit der Maske : Februar 17, 2013 at 5:35 pm

    Das ist ein wirklich schönes Gemälde. Habe es schon im Bond-Film „Skyfall“ bewundert.

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