fairvesta Partnerkongress 2013 – mit Günter Verheugen und Hans-Olaf Henkel!

fairvesta Partnerkongress 2013 – mit Günter Verheugen und Hans-Olaf Henkel!
08 Sep 2013

von N. von Gibelli –

Stuttgart – Das inzwischen sehr namhafte Tübinger Emissionshaus „fairvesta“ lud wieder zum „fairvesta-Parnerkongress“ ins idyllische Altensteig/Wart, im nördlichen Schwarzwald, ein. Auch in diesem Jahr stellten dabei fairvesta und die Deutsche Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik e.V. wieder die schon traditionelle volkswirtschaftliche Diskussion auf die Beine. Hochkaräter diskutierten wie in jedem Jahr mit dem faivesta-Generalbevollmächtigten Otmar Knoll über Europa, Inflationserwartungen, den Euro und Staatsschulden. Dieses Jahr kamen der langjährige EU-Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen (SPD) und der Multi-Aufsichtsrat und frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel.

So erlebten die etwa 400 anwesenden fairvesta-Partner aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz am Vormittag beeindruckende fairvesta-Kennzahlen für das erste Halbjahr 2013 (51 Prozent Umsatzplus!) und am Nachmittag den Blick aufs große Ganze. Mit dem renommierten EU-Politiker und vormaligen Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Günter Verheugen (SPD) sowie Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel war die Diskussionsrunde wieder mal einmalig besetzt. Man knüpfte nahtlos an das Vorjahr an, wo unter anderem Ex-Bundesbankvorstand und Buchautor Thilo Sarrazin und der bekannte CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach zu Otmar Knoll kamen.

 Günter Verheugen, Tom Rohrböck und Hans-Olaf Henkel

Günter Verheugen, Tom Rohrböck und Hans-Olaf Henkel

Günter Verheugen schilderte die Situation Europas 2013 aus seiner Sicht: Die EU stecke in einer mehrfachen Krise, so der Ex-Vizepräsident der Europäischen Kommission. „Wir haben eine Finanzmarktkrise, eine Wachstumskrise sowie eine politische Führungs- und Vertrauenskrise“, so Günter Verheugen. Wie es nun in Europa weiter gehe sei enorm wichtig für Investoren, erklärte der Sozialdemokrat den fairvesta-Partnern. „Der Gipfel der ökonomischen Globalisierung ist noch nicht erreicht“, merkt Verheugen an. Zudem gebe es Entwicklungen, die es einzukalkulieren gelte: Eine steigende Bevölkerungszahl sowie Überalterung und der steigende Bedarf an Boden, Land, Energie und Dienstleistungen. „Wir sollten aufhören, uns die Lage in Europa schön zu reden. Die Politik ist auf die Herausforderungen von morgen nicht ausreichend vorbereitet“, sagte Günter Verheugen.

Der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Kommission plädierte für einen Paradigmenwechsel in der europäischen Politik, etwa in der Energiepolitik. „Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sind derzeit nicht verlässlich“, sagt Günter Verheugen. Zudem brauche es eine Neuordnung der Finanzen. Bis Ende 2014 sei so es möglich, zusätzliches Wirtschaftswachstum ohne neue Investitionen seitens der Politik zu schaffen. Und drittens müsse Europa das Unternehmertum stärken. „Unternehmerischer Mut und Unternehmertum muss mehr gefördert werden“, so Verheugen, da nicht die Politik, sondern die Unternehmen Arbeitsplätze schaffen.

Auch der langjährige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel sparte nicht mit Kritik am derzeitigen europäischen Kurs der Finanzpolitik – und vor allem am Euro. Er gebe zu, dass er früher ein Befürworter des Euros gewesen sei. „Das war der größte professionelle Fehler in meiner Karriere“, so Henkel. Der Euro versündige sich an der Wettbewerbsfähigkeit der Länder in der Euro-Zone. „Der Euro ist eine griechische Tragödie. Und wir wissen, wie griechische Tragödien enden: tragisch“, hielt Henkel unter Applaus fest. Insbesondere die Missachtung des Subsidiaritätsprinzips stellt für Hans-Olaf Henkel ein Problem in der EU dar. „Derzeit wird Europa verändert, als Nebenprodukt der Euro-Rettung. Es müsste anders herum sein“, zeigte sich Henkel überzeugt. Zudem spiele die Wettbewerbsfähigkeit der Länder im Zuge der Euro-Rettung keine Rolle mehr. „Die EU-Politiker reden jetzt von Harmonisierung, beispielsweise bei den Steuersätzen“. Aus Sicht des ehemaligen BDI-Präsidenten ist das ein großer Fehler.

Bei vielen inhaltlichen Gemeinsamkeiten, die Otmar Knoll als Moderator gewohnt gekonnt herausstellte, zeigten sich auch Unterschiede in der Argumentation von Günter Verheugen und Hans-Olaf Henkel. Günter Verheugen argumentierte, dass er nicht an einen Zusammenbruch der EU oder des Euros glaube. „Ich würde dringend anraten, nicht darauf zu spekulieren, dass die EU zusammenbricht. Wir werden sowohl den Euro als auch die EU behalten“, so Verheugen. Zudem müsse man ehrlicher Weise damit rechnen, dass die Zeitpläne für die Rückzahlung von Hilfsgeldern immer wieder gestreckt werden würden. „Wir müssen uns auf mindestens 20 bis 25 Jahre Transferunion einstellen“, so Günter Verheugen. Hans-Olaf Henkel prognostizierte keine „rosige wirtschaftliche Zukunft“ der EU in den kommenden drei bis fünf Jahren. „Es hat noch nie eine Umschuldung ohne Abwertung gegeben“, so Henkel. Daher rechnet der ehemalige BDI-Präsident nicht damit, dass es die Griechen ohne eine Abwertung aus der Krise herausschaffen würde.

fairvesta-Chef Otmar Knoll spielte derweil die Bälle zwischen Verheugen und Henkel hin und her. Knolls großes Thema dabei: die drohende Inflationangst. Bereits Anfang des Jahres hatte Otmar Knoll zusammen mit Politikern und Wirtschaftsexperten aus Deutschland und Österreich mehrere Diskussionsveranstaltungen zum Thema „Die Inflation kommt – was jetzt schützt“ veranstaltet. Otmar Knoll bat zum Ende der lebendigen Diskussionsrunde um eine Einschätzung von Günter Verheugen und Hans-Olaf Henkel, auf welchen Wert sie die durchschnittliche Inflation in den nächsten fünf Jahren prognostizieren würden. „Ich denke, die Inflation wird bei etwa 1,8 Prozent liegen“, schätzte Günter Verheugen.

Hans-Olaf-Henkel prognostizierte die zukünftige Inflation auf rund 2,5 Prozent. Mit Blick auf fairvesta und ihre geschlossenen Immobilienfonds landete der langjährige BDI-Präsident den Spruch des Nachmittags.

„Derzeit lohnt es sich, ein Haus auf Kredit zu kaufen. Die jährliche Inflation frisst die Bankzinsen über die Zeit – und am Ende besitzen Sie ihr eigenes Haus“, sagte Hans-Olaf Henkel dem Publikum.

Der Argumentation konnte sich auch Otmar Knoll nicht verwehren, wenngleich der fairvesta-Kopf seinen Anlegern und Investoren ein deutlich besseres Angebot macht: In den letzten zehn Jahren lag die durchschnittlich ausgeschüttete Rendite für die fairvesta-Fonds pro Jahr im zweistelligen Bereich, bei rund zehn Prozent.

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